Ausschnitt aus dem Artikel von Hans-Dieter Fronz in der Badischen Zeitung vom 7.10.2011 :

 

Essen malen und gefressen werden . . .

 

"Das Schaf. Der Wolf"

Ganz animalisch wird’s, ein paar Autominuten entfernt, in der Galerie Fluchtstab in Staufen. "Das Schaf. Der Wolf" heißt die Ausstellung mit Skulpturen und Druckgrafik von Franz Gutmann sowie Ölbildern von Thomas Nolden treffend lapidar. Ikonografisch derartig vorbelastete Spezies als Gegenstand einer Ausstellung – das ist ungewöhnlich, ja kühn! Schon die Präsentation ist formidabel. Von der Eingangstür weg wird man magnetisch hineingezogen und gefangen genommen von der archaischen Konstellation. Schafe, Wölfe! Auf engstem Raum! Gutmanns Exemplare von Canis lupus: stark geometrisch stilisierte, auf Podesten strategisch positionierte Bronze- oder Eisengüsse. Raubtierhafte Wildheit und Heißhunger sind in den bildmächtigen frühen Formfindungen ausdrucksvoll in die Körperform übersetzt: den waagrecht gedehnten Hals, die überlange, durchbrochene Wolfsschnauze. An den Wänden, die Gefahr nicht achtend, Noldens Schafe. Anfangs als abstrakte weiße Bündel in die mit schnellen Lagen breiter Pinselstriche impressionistisch angedeutete Landschaft gesetzt, heben sie sich aus derselben bald einzeln oder in kleinen Gruppen heraus, treten uns quasi im Porträt gegenüber. Es ist eine Lust, der sicheren Unmittelbarkeit und meisterhaften koloristischen Nuanciertheit dieser Malerei zu folgen. Gleichzeitig rühren die Bilder emotional an. Die genügsamen, bisweilen scheu aus dem Bildgeviert äugenden Tiere wollen uns in ihrer Verletzbarkeit, wie sie im manchmal zarten Rot und Rosa der Ohren aufscheint, als beseelte Sinnbilder des Kreatürlichen – am Ende unserer selbst erscheinen. . .

 

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